Verzeihen

Im Laufe des Lebens passiert es immer wieder, dass wir Kränkungen erfahren. Besonders schmerzhaft sind sie dann, wenn uns der-, oder diejenige besonders nahesteht. Wir sind verletzt und fühlen uns gedemütigt. „Sou epes konn sie / er mit miar decht it tian!“ – so versuchen wir das Unrecht, das uns wiederfahren ist, in Worte zu fassen. Verzeihen käme einer Belohnung des Übeltäters gleich und so „suhlen“ wir uns oft über lange Zeit in dem uns zugefügten Leid und sehen uns als Opfer. Wir schweigen uns an und führen kalten Krieg! Das Fatale dabei: Durch unsere Wut und die Rachegelüste nähren wir dauernd die negativen Gefühle und binden uns damit umso mehr. Verzeihen dagegen bedeutet, dass wir unsere Ansprüche aufgeben, von denen wir glauben, sie gegen den Schuldigen zu haben. Echtes Verzeihen ist ein Akt des Willens und erfordert viel Geduld und Energie. Verzeihen ist letztlich ein Geschenk an uns selbst, denn nur so wird unser Kopf frei für die künftige Lebensgestaltung.

Die Qualität einer Beziehung ist ein Indiz dafür ob ein Verzeihen möglich ist. Sind sich beide ohnehin feindlich gestimmt, dann gibt es oftmals kein Pardon mehr. Ist dagegen die Basis gegeben, dass sich beide Parteien grundsätzlich wertschätzend gegenüberstehen, so fällt Verzeihen leichter. Beide sind in der Lage, sich den Scherbenhaufen anzuschauen, wechselseitig Schuld einzuräumen und nach Lösungen zu suchen. Einfach gefragt: „Willst du Recht haben oder Beziehung?“

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