Stress und Begehren

Über die hohen Anforderungen im beruflichen und privaten Bereich klagen viele Männer und Frauen in der mittleren Lebensphase, d. h. im Alter zwischen 30 und 50. Die Lust bleibt dabei im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke.

In der Summe der Dinge wirkt Stress, bedingt durch berufliche Aktivitäten, Haushalt, Kinder und Vereinstätigkeiten belastend auf die unmittelbaren Beziehungen und hat einen direkten Einfluss auf die Sexualität eines Paares. Während das Gehirn zu Beginn einer Partnerschaft massenweise Glückshormone ausschüttet, tritt mit zunehmender Vertrautheit das Begehren in den Hintergrund. Die alltäglichen Anforderungen tun ihren Teil dazu, dass die vormals leidenschaftlich Liebenden am Ende wie Freunde nebeneinander leben und ausschließlich funktionieren. Studien zeigen allerdings, dass die Zufriedenheit in der Partnerschaft mit der Zufriedenheit im Sexuellen zusammenhängt. Der Stellenwert der Sexualität verändert sich im Laufe der Zeit und mit fortschreitender Beziehungsdauer.

Die Herausforderung besteht darin, bewusst eine Nische für Intimität und Verlangen zu schaffen. Denn die Lust auf Sex passiert nicht „einfach so“ – genauso wenig, wie das Essen „einfach so“ auf dem Tisch steht. Dazu kommt, dass Männer und Frauen in stressigen Zeiten unterschiedliche Bedürfnisse haben. Während Männer über Sex Druck abbauen und ihn dabei durchaus genießen können, ist bei Frauen oftmals das Gegenteil der Fall. Wenn der Kopf voll ist, man als Frau ohnehin das Gefühl hat, für alle da sein zu müssen, dämpft das ihre Lust ungemein. Sie bedarf folglich der Entspannung im Vorfeld und eben besagter Nische, um überhaupt eine Idee des Begehrens zu entwickeln bzw. ins Spüren zu kommen. Erst bei sich selber sein, den eigenen Körper gut kennen und lieben, um sich dann auf den anderen einlassen zu können.

Die Entwicklung des eigenen erotischen Potentials ist für Männer und Frauen gleichermaßen spannend. Denn, auch für Männer ist Sex als Ventil zum Druckabbau nur eine Facette. Fazit: Jeder ist für seine Sinnlichkeit, seine Lust und sein Begehren zunächst selber verantwortlich und kann dies nicht an den Partner delegieren. Und umso mehr wird klarer wie wichtig es ist, als Paar im wohlwollenden Austausch über die wechselseitigen Wünsche und Bedürfnisse zu kommen und vor allem zu bleiben.

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