Partnerschaft – Wunsch und Wirklichkeit

Ein Paar findet sich, beide entschließen sich für eine langfristige Beziehung oder Ehe, und nehmen die Macken des Partners in der Anfangsverliebtheit in Kauf. Verknüpft mit der Hoffnung, dass das schon noch wird. Nach Jahren kommt allerdings die Ernüchterung, dass sich diesbezüglich trotz großem Zutun und Zuspruch nichts verändert hat.

Zu Beginn einer Beziehung sind beide Partner voneinander fasziniert, bestärken sich wechselseitig und sehen getrost darüber hinweg, was den einen im Grunde beim anderen stört. Insgeheim denkt man sich, dass die zwei, drei nervigen Eigenschaften im Laufe der Zeit auszumerzen sind. Gemeint ist, dass der eine sich bemüht, den anderen dahin zu bringen, wo er seines Erachtens sein sollte. Er soll z. B. ordentlicher sein und nicht mehr rauchen. Sie sollte lockerer sein und sich nicht so viele Gedanken um Arbeit oder Kinder machen. Und dann wird daran gearbeitet, aber der Erfolg bleibt aus. Denn, wenn der Partner die Autonomie des anderen angreift, ist Verteidigung angesagt. Je mehr man versucht den anderen zu verändern, desto verlässlicher wird er derselbe bleiben. Ist es vielleicht mit weniger Leid für einen selber, den Partner und die Beziehung verbunden, eine bestimmte Erwartung zu reduzieren oder, noch besser, ganz aufzugeben? Arnold Retzer, ein Heidelberger Paartherapeut, hat in diesem Zusammenhang den Begriff der Resignativen Reife geprägt. Will heißen: Meine Versuche, dich auf Vordermann zu bringen, sind zu Ende und damit gleichzeitig der Anspruch, für das Glück des Partners verantwortlich zu sein. Letztlich geht es um das Loslassen einer überzogenen Erwartung an die Beziehung und schlussendlich an sich selbst. Die heutige Zeit ist geradezu geprägt von einem Optimierungswahn, dem die Realität nicht standhalten kann. Genügt es nicht, schlicht so zu sein, wie man nun mal ist?

Die Lösung: Eine gelassene Haltung sich und dem Partner gegenüber, und die ermüdenden Anstrengungen nach Perfektion aufgeben. Die Verantwortung für die eigene Lebensgestaltung und das, was einen glücklich macht, liegt letztlich bei einem selber. Und was die Partnerschaft betrifft, macht es viel mehr Sinn, Eigenheiten und Unzulänglichkeiten mit Humor zu begegnen, anstatt sich in Endlosdiskussionen zu verstricken. Mit dieser Einsicht und einem realistischen Blick können Paare dann verhandeln, was sie an Gemeinsamkeit teilen und wie sie ihr künftiges Zusammenleben einrichten wollen.

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