Kinder trotz Trennung im Blick behalten

Trennungsprozesse sind nicht nur für die Erwachsenen, sondern vor allem auch für die Kinder herausfordernd. Nicht selten werden diese unbeabsichtigt in die elterlichen Streitereien mit hineingezogen und geraten dadurch in Loyalitätskonflikte. Das Eingeständnis, als Paar gescheitert zu sein und dennoch als Mama bzw. Papa präsent und darüber im Gespräch zu bleiben, bleibt hier das Gebot der Stunde.

Nach fast 12 Ehejahren stehen wir trotz aller Bemühungen am Ende unserer Beziehung. Besonders für meine Frau steht der Entschluss nach endlosen Streitereien fest. Wir haben drei gemeinsame Kinder (10, 8 und 4 Jahre). Mir ist daran gelegen, dass ich weiterhin Kontakt zu den Kindern habe und diese nicht auch noch Schaden nehmen. Es gelingt mir bisher nicht, dies in Ruhe mit meiner Frau zu besprechen. Wie soll es weitergehen?

Abgesehen vom Gefühlschaos, in dem Sie sich gerade befinden, kann ich Ihre Sorge, was den Umgang mit Ihren Kindern betrifft gut nachvollziehen. Vermeiden Sie es im Interesse Ihrer Kinder ein „Schlachtfeld“ aufzutun, d. h. sich vor den Kindern verletzende Gemeinheiten an den Kopf zu schmeißen und einen Schuldigen fest zu machen. Damit beschädigen Sie vor allem bei jüngeren Kindern deren Selbstwertgefühl, da diese sich wohlmöglich für die Trennung der Eltern schuldig fühlen. Vielmehr geht es darum, sich als verantwortungsvolle Erwachsene an einen Tisch zu setzen und sich beidseitig das Scheitern einzugestehen. Am besten im Beisein einer neutralen Person, z. B. in Form einer Konfliktberatung bzw. Mediation, die es ermöglicht, dass sie einander zuhören und sie beide beim Finden einvernehmlicher Lösungen unterstützt. Wirtschaftliche und zwischenmenschliche Gesichtspunkte werden dabei offen angesprochen. So schmerzhaft es für Sie auch sein mag, geht es mit Blick auf Ihre Kinder um einen gemeinsamen Lösungsweg und darum, dass sie beide ihr Gesicht wahren können. Ihre Kinder erleben so Eltern, die trotz Trennung kooperativ miteinander umgehen und deren Liebe sie sich weiterhin sicher sein können. Ich wünsche Ihnen nach einer Zeit des „Wunden leckens“ den Blick auf die Zukunft zu richten. Für sich selbst und für die spätere Beziehungsfähigkeit Ihrer Kinder.

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