Aufklärung in der Pubertät

Zwischen Eltern und Kindern macht sich in der Pubertät das große Schweigen breit, sobald es um sexuelle Inhalte geht. Sowohl Eltern als auch Kinder drücken sich am liebsten um dieses schambesetzte Thema herum.

„Ich habe unseren 12-jährigen Jungen dabei ertappt, wie er sich nicht jugendfreie Inhalte im Internet angesehen hat. Wir haben ansonsten ein gutes Verhältnis. Ich weiß allerdings nicht, wie ich dieses Thema ansprechen soll. In meiner Jugend wurde über so was gar nicht gesprochen. Wie führt man so ein Aufklärungsgespräch?“

So wie Sie dies schildern, scheinen Sie mit Ihrem Sohn recht gut im Austausch zu sein. Das ist schon einmal die beste Voraussetzung, denn es geht im Grunde darum, weiterhin im Gespräch zu bleiben über alles, was einen als junger Mensch beschäftigt. Und dazu gehört, gerade diesen sensiblen Bereich der sexuellen Aufklärung nicht dem Internet zu überlassen. Denn dort finden junge Leute meist ungute Inhalte, die sie verstören können und ihnen falsche Werte und Verhaltensweisen vermitteln. Es liegt an den Erwachsenen, hier den ersten Schritt zu wagen, und zwar beiläufig und unaufgeregt. Im Fall der Internetrecherche Ihres Sohnes können Sie sich dafür interessieren, nach was er gesucht hat, wie er darauf gekommen ist und was ihn möglicherweise irritiert hat. Denn das, was Jugendliche finden, hat mit dem natürlichen und lustvollen Entdecken der eigenen Sexualität herzlich wenig zu tun. Sie können ihm als Vater ihr Bild von Männlichkeit vermitteln, dass auch Schwäche und Empfindsamkeit zulässt. Ein Bild jenseits von Geschlechterklischees. Möglicherweise war Ihre eigene Erziehung geprägt von Scham, Schuld und Sprachlosigkeit und daher geht es zunächst um Sie und Ihr Selbstverständnis von gut gelebter Sexualität. Ein Verständnis, in dem es um das eigene Empfinden, den Umgang mit Gefühlen und darum geht, die eigenen Grenzen und die des anderen zu achten. Es braucht also nicht das eine Gespräch, in dem es vorrangig um Wissensvermittlung geht. Nutzen sie vielmehr Gelegenheiten im Alltag, wie z. B. gemeinsame Autofahrten, um ins Plaudern zu kommen.

Als Vater sind Sie in der Pubertät gefragter denn je, und dieser Aufgabe können Sie sich mit Freude zuwenden. Mit echtem Interesse und der Chance, auch über sich selber Neues zu erfahren.

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